Saisonal, lokal und bio – die Gemüsekiste

Die Gemüsekiste im Abo

Jeden Freitag nachmittag klingelt es an meiner Tür, und mit einem Lächeln überreicht mir der freundliche Bauer eine frische Gemüsekiste. Ich tausche sie gegen die leere grüne Plastikkiste von voriger Woche, wir verabschieden uns und der Bauer setzt seine Tour fort, um Berliner Haushalte mit frischem Bioobst und Biogemüse aus Brandenburg zu beliefern. Seit mehr als vier Jahren begleitet mich die “Biokiste” schon und strukturiert meine kulinarische Wochenplanung ebenso, wie sich mich als Großstadtbewohner am Gartenjahr teilhaben lässt. Deshalb möchte ich mich auch gerade mit diesem Artikel gerne als neuer Autor beim Testschmecker vorstellen.

Das Prinzip der Gemüsekiste ist einfach wie einleuchtend: frisches, regionales Biogemüse kommt ohne Umweg über den Handel direkt vom Erzeuger zum Verbraucher. In meinem Fall ist das ein kleiner, familienbetriebener Hof in der Nähe des brandenburgischen Dorfes Görzke. Anbieter von Gemüsekisten gibt es jedoch in ganz Deutschland, eine – wenn auch nicht vollständige – Auflistung gibt es beispielsweise unter gemuesekiste.de. Wer sein Gemüse über eine Abokiste bezieht, handelt gleich in mehrerlei Hinsicht umweltbewusst: ein Pluspunkt in der Ökobilanz ist der kontrolliert biologische Anbau. Durch die lokale Produktion entfallen lange Transportwege. Lieferwege über den halben Planeten vermeidet schließlich auch, wer mit saisonalem Gemüse kocht.

Saisonales Gemüse – das heißt für mich in dieser frühen Märzwoche etwa Mohrrüben, Topinambur, Rote Beete, dazu Kartoffeln, Äpfel, Zwiebeln und Kresse. Im Winter finden sich auch manchmal für den Supermarktkunden von heute beinahe exotisch anmutende Gemüsesorten wie Steckrüben, Pastinaken oder Petersilienwurzeln in der Kiste. Das ist zweifellos am Anfang gewöhnungsbedürftig, hat aber einen ungemein positiven Einfluss auf die Kreativität beim Kochen. Und wer einmal nicht weiß, was er diese Woche mit Schwarzwurzeln, Weißkohl oder Rettich anfangen soll, für den liegt immer noch ein passendes Rezept als Zugabe in der Kiste.

“Wird das nicht auf die Dauer langweilig?”, werde ich manchmal gefragt. Mir bislang nicht. Zugegeben, ich freue mich auch auf den Sommer, auf frische Beeren, auf Spinat, Zucchini oder Tomaten. Andererseits kann ich auf geschmacklose holländische Tomaten im Winter ohnehin gut verzichten. Zudem gibt es die Möglichkeit, den Inhalt der Kiste jede Woche vorzubestellen – und sich dann z.B. auch Biodatteln aus Tunesien, Biobananen aus der Dominikanischen Republik oder Bioorangen aus Italien ins Haus kommen zu lassen. Der Anbieter der Biokiste kauft diese im lokalen Großhandel ein. Ich jedoch habe bislang von dieser Möglichkeit noch nie Gebrauch gemacht, sondern freue mich jede Woche auf meine Überraschungskiste.

“Was kostet denn so eine Biokiste?”, ist die zweite regelmäßige Frage. Den Preis kann der Kunde selbst bestimmen, er bekommt dann wöchentlich Waren im entsprechenden Wert. Als Student haben mir die fünf bis sechs Obst- und Gemüsesorten, die ich für 10 Euro zuzüglich 2,50 Euro Liefergebühr jede Woche bekommen habe, eigentlich immer gereicht. Mit langsam wachsender Familie heißt es nun auch bei der Biokiste aufstocken, bei einem Lieferwert von 12 Euro kaufen wir momentan für unseren Zweipersonenhaushalt jede Woche etwas Gemüse im Supermarkt dazu. Wer ganz und gar autark vom Supermarkt leben möchte, kann sich übrigens mit seiner wöchentlichen Gemüse- und Obstration gleich auch noch Biokäse, Biobrot, Bioeier, Biomilch und sogar Biofleisch in der Abokiste liefern lassen.

Das vielleicht wichtigste Argument für eine Gemüsekiste ist für Stadtmenschen die Verbindung zum Land. Daher steht für diesen Sommer auch der feste Vorsatz, endlich einmal den von “unseren” Biobauern angebotenen monatlichen Besuchssonntag für einen kleinen Familienausflug aufs Land zu nutzen.

Robert Kalimullin

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