Bio und Halal – von Öko-MuslimInnen

Öko und Islam – zwei Begriffe, die in aktuellen Debatten nicht unbedingt miteinander in Verbindung gebracht werden. Umso spannender klang die Ankündigung einer Diskussionsrunde mit Öko-MuslimInnen im Rahmen der Berliner Islamwoche.

Tatsächlich hat der Koran – oder Ö-Koran, wie er in der Ankündigung genannt wird – scheinbar einiges zum Thema Ökologie zu sagen. Redner Dr. Ahmad al-Khalifa will jedenfalls mindestens 137 Pflichten zum Schutz der Umwelt gezählt haben – nicht ausgeschlossen, dass es mehr sind. Und auch Leben und Lehre des Propheten Mohammed werden an dem Abend immer wieder als Vorbild zitiert. So soll dieser einem Hadith, einer Überlieferung zufolge einen Anhänger gerügt haben, der in einem Fluss die rituellen Waschungen vollzog und dabei zuviel Wasser benutzte. Selbst in einem reißenden Strom, so der Prophet, müsse man Wasser sparen.

Islam und Massentierhaltung

Mit weit alltäglicheren Problemen als der Frage, ob man in einem Fluss Wasser verschwenden kann, setzten sich die Teilnehmer der anschließenden Diskussionsrunde auseinander. Eine Frage war die von Fleischkonsum und Massentierhaltung. Die zum Islam konvertierten Ethnologin Nina Mühe berichtete, beinahe kein Fleisch mehr zu essen. Ihr genügt es nicht, wenn die Tiere formal nach muslimischen Ritus geschlachtet sind und das Fleisch damit halal, also erlaubt ist. Bio-Halal-Fleisch zu bekommen, ist in Deutschland nach wie vor sehr schwierig – al-Khalifa weiß von langen Autofahrten zu berichten, die Angehörige seiner Münchner Gemeinde hierzu ins bayerische Umland unternehmen. Die Küche seiner ägyptischen Heimat, so al-Khalifa, sei traditionell sowieso eine vegetarische gewesen: in seinem Dorf hätten Schaf und Kamel als Nutztiere praktisch zur Familie gehört, niemandem sei es in den Sinn gekommen, sie zu schlachten. Der übermäßige Fleischkonsum sei eine Folge der Urbanisierung.

Biolebensmittel nicht teurer

Einer der interessantesten Gäste des Abends ist Dr. Turgut Altug, der mit dem Deutsch-Türkischen Umweltzentrum als erster Migrant in Deutschland eine Umweltschutzbewegung gründete und von der Bundesregierung dafür mit der Integrationsmedaille ausgezeichnet wurde. „Biolebensmittel sind nicht teurer“ lautet seine Botschaft – die volkswirtschaftlichen Kosten konventioneller Produkte mit den eingesetzten Pestitziden und den verursachten Krankheiten und Allergien seien höher. Von seinem interkulturellen Gartenprojekt in Berlin-Kreuzberg erzählt er im untenstehenden Video.

Wermutstropfen bei der Veranstaltung ist das massenhaft eingesetzte Plastikgeschirr – hier scheint die Botschaft vom Umweltschutz noch nicht ganz angekommen zu sein. Umso leckerer aber der Dreiklang aus den angebotenen arabischen, türkischen und deutschen Speisen. Als kulinarische Idee vom einem anregenden Abend nehme ich die Kombination von Couscous und Orange in einem saftigen Salat mit.

Robert Kalimullin

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Kommentare

  1. Mustafa Girisken meint

    Hallo sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich habe den Bericht Bio und Halal gelesen.

    Gibt es eine Art Bio Halal Supermarkt? Ich habe selbst in der BioBranche als Verkäufer gearbeitet…………nun bin ich auf der Suche nach einem Markt, den vlt viele Suchen?
    Vlt können Sie mir auf der Suche helfen?

    Lg, Mustafa Girisken

    • meint

      Hallo,

      das kann ich leider nicht beantworten. In größeren Städten gibt das wahrscheinlich schon. Vielleicht hilft es, auf Internetseiten wie halal.de oder anderen nach Märkten zu suchen und dort anzufragen. Ich lebe in einer eher ländlichen Region, da ist so etwas nicht so häufig anzutreffen. Viel erfolg!

      Viele Grüße. Joachim

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