Hängt der Erfolg eines Food-Bloggers an den Fotos? Ein Behind-The-Scenes Video

Food-Blogs sind in den letzten Jahren immer professioneller geworden; food-Fotos spielen eine immer größere Rolle: Die „Nebenher”-Food-Blogger haben sich professionalisiert. Sie lernten, anspruchsvolle Fotos zu erzeugen, sie betrieben Keyword-Planung um ein immer größeres Publikum zu erreichen. Und sie öffneten sich schließlich – mehr oder weniger – kommerziellen Einflüssen.

Was Peter von der Arbeit an seinem Blog souvlakiforthesoul.com hier beschreibt, ist sicher etwas außergewöhnlich: Als professioneller Fotograf betreibt er sicher etwas mehr Aufwand für Food-Fotografie als viele andere. Und die Planung und Gestaltung seiner Beiträge erscheint mir auch engagiert (auch wenn das stellenweise noch etwas unfertig (zum Beispiel mit den Länderkategorien, was ich mir wirklich als gute Ergänzung vorstelle).

Wer sich durch die bei diversen Anlässen prämierten Food-Blogs klickt, der findet zwar noch immer etwas altbacken und zuweilen sogar eher gruselige Optik. Die Mehrzahl der Food-Blogger hat aber fototechnisch ordentlich nachgelegt und bietet Food-Fotos vom Feinsten.

Was brauchts, um ein Foodblog auch optisch ansprechend zu präsentieren?

Da muss zum Einen das Layout stimmen. Die Mehrzahl der Blogger setzt heute auf WordPress oder ähnliche Redaktionssysteme. Für fast alle gibt es eine große Auswahl von Layoutpaketen (zum Beispiel bei themeforest.net), die sich auch leicht anpassen lassen und dann für ein erstklassiges Erscheinungsbild sorgen.

Kniffliger wird es, wenn man dieses Layout dann mit eigenen erstklassigen Bildern füllen muss. Den meisten Food-Bloggern kommt hier entgegen, dass sie reine Rezepte-Blogs betreiben. Sie müssen sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ein Thema illustrieren. Es geht fast immer darum, ein Gericht mit netten Accessoires auszustatten und in Szene zu setzen.

Ich habe das in den vergangenen Jahren für eigene und fremde Websites gemacht. Meine Ausrüstung hat seit meinen journalistischen Anfängen etliche Entwicklungen durchgemacht und ist auch ziemlich angewachsen. Die ernüchterne Erkenntnis: Es kommt nicht auf die große Ausrüstung an. Einige der wichtigsten Anforderungen erkennt man auch gut am obigen Video.

1. Natürliches Licht

Natürlich ist es etwas knifflig, wenn man in den späten Abendstunden spontan in die Tasten greift, einen Artikel verfasst und vielleicht auch noch gleich „bekocht”: Wer bekommt in einer dunklen, meist zu kleinen Küche noch anständige Fotos hin? Mein Tipp: Bei den (falls überhaupt gewünschten) Fotos der Zubereitung sich mit einfachen Lampen und Leuchten behelfen. Das Gericht selbst bei natürlichem Licht aufnehmen. Möglichst am Fenster und ohne direkt Sonneneinstrahlung. Wer um den Abend-Foto-Termin nicht herumkommt sollte mindestens zwei Leuchten haben oder einen, besser zwei indirekte Blitze verwenden.

Hilfreich: Ein Redaktionskalender fürs Schreiben, Fotografieren und Veröffentlichen, wie hier beschrieben.

2. Aufheller einsetzen

Was nahe am Fenster steht bekommt immer nur von einer Seite Licht ab. Nun kann man von der anderen Seite mit einer Lampe dagegen halten, aber das ausgewogen zu beleuchten ist schwierig. Einfacher ist es, auf der dem Fenster abgewandten Seite eine helle Fläche zur Aufhellung zu platzieren. Das kann ein großer heller Karton sein, professionellen Aufheller, die es heute klein zusammenklappbar und in verschiedenen Größen und Ausführungen gibt. Oder eine Platte mit Alufolie.

[Amazon-Affiliate Link: 5 in 1 Faltreflektoren Set]

3. Tiefenschärfe

Wir kennen alle den Effekt, dass ein Objekt „freigestellt” wirkt: Der Hintergrund ist unscharf, das eigentliche Motiv sticht klar und deutlich hervor. Wenn wir das mit einer kleinen Digitalkamera versuchen wird das meistens nicht: Die Blendenöffnung ist nicht groß genug für diesen Unschärfe-Effekt und das ist auch so gewollt. Der Kamera-Hersteller will, dass auf den Fotos möglichst viel von Vorder- bis Hintergrund scharf bleibt. Behelfen kann man sich mit DSLR- oder spiegellosen Digitalkameras, die Wechselobjektive haben (das klassische Normalobjektiv 1,8 / 50 MM)oder Objektive mit hoher Lichtstärke (die sind aber recht selten). [Affiliate-Link Amazon: Ich benutze unter anderem die Panasonic DMC-LX100]

Wer keines von beiden hat, kann es mit einem Trick versuchen: Setzt man sein Telezoom ein, dann wird der Schärfentiefe-Bereich ebenfalls kleiner. Meistens ist dann auch die Blende kleiner und die Verschlusszeit länger, so dass man auf ein Stativ oder eine Unterlage zurückgreifen muss. Bei Tageslicht und nahe am Fenster bekommt man das noch am ehesten freihändig hin.

Mit diesen drei Tipps sollte man die meisten Situationen schon meistern können – wenn das Gericht ansprechend aussieht und die Details rundherum stimmen. Deshalb möglichst:

– nicht am Herd fotografieren (meist unordentlich, zu viel Ablenkung vom Motiv und schlechtes Licht)
– nicht auf unschönen Untergründen (Resopalplatte, Küchentuch etc.)
– Accessoires sparsam einsetzen, aber nicht darauf verzichten (stimmig zum Gericht und zur Präsentation, gerne auch schon im Unschärfebereich)

Mein Fazit: Ja, um in dem Umfeld ambitionierter Food-Blogs mithalten zu können braucht es gutes Layout und gute Fotos. Gutes Layout gibts einfach und schnell, gute Fotos machen Arbeit. Wer nur ein immer verfügbares Rezepte-Blog braucht, muss sich das nicht antun. Aber meine Erfahrung zeigt: Wer kreativ kocht, der gestaltet meistens auch gerne kreativ Website und Fotos.

5 Alltags-Kameras, die sich für Food-Fotografie mehr oder weniger eignen:
– Canon-DSLR mit Wechselobjektiven (+++)
– Canon ESO M spiegellos mit Wechselobjektiven (+++)
– Actionkamera GoPro (-)
– Panasonic Lumix100, spiegellose, Festobjektiv Zoom (++)
– Nicht im Bild: iPhone 6s (++)

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Kommentare

  1. meint

    Es heißt Schärfentiefe! Wirklich! Denn es wird über die Tiefe der Schärfe in einem Foto gesprochen und die deutsche Sprachregelung sieht nun mal vor, dass man die Eigenschaft als zweites benennt – nach dem Substantiv.

    Glastiefe.
    Topfgröße.
    Brötchengröße.
    Kabellänge.
    Schärfentiefe.

    Got it? 😉

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  1. […] Keine Neben­sa­che: Gute Rezepte allein rei­chen nicht — man muss sie als Food­blog­ger auch ent­spre­chend in Szene set­zen. Über die Ent­wick­lung der Food-Fotografie in Blogs erzählt Joa­chim, selbst Foto­graf und Fil­me­ma­cher. Zudem gibt er Tipps, was es braucht, um ein Food­blog auch optisch anspre­chend zu prä­sen­tie­ren. Test­schme­cker […]

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