Zeichen für Alkoholsucht – kein Hindernis in den Sozialen Medien

Spätestens seit der Geschichte des Entertainers Harald Juhnke wissen wir es: Auch die Deutschen drücken beim Thema Alkohol (oder genauer gesagt Alkoholmissbrauch) gerne mal ein Auge zu. Wir gewinnen nicht nur der schauspielerischen Darstellung betrunkener Menschen was Lustiges ab, auch unverkennbare Anzeichen eines „Alkoholproblems” finden die meisten nicht wirklich tragisch.

Vielleicht hat das damit zu tun, dass bei uns ein Gläschen Wein zum guten Essen gehört und ein Bierchen zur Belohnung nach harter Arbeit oder körperlicher Aktivität geschätzt wird. Aber Alkohol-Genuss und ein Alkoholproblem sind zwei paar Stiefel, da sollte man nicht weggucken.

Der Instagram-Fake-Account der Louise Delage.

Der Instagram-Fake-Account der Louise Delage.

Die Pariser Agentur BETC hat vor einigen Monaten einen Instagram-Account der fiktiven Louise Delage ins Leben gerufen. Und die Agentur hat ihn sehr erfolgreich gemacht: Täglich Lifestyle-Bilder einer attraktiven Frau, die nicht als abgehobenes Model wirkt sondern wie eine gute Bekannte. Lockere Szenen, am Pool oder in der Natur, alleine oder mit Freunden. Auf der technischen Seite half die Agentur noch etwas nach: Es gab nicht nur zwei oder drei Fotos zu Spitzenzeiten und die richtigen populären Hashtags. Mit einem Programm suchte man nach „passenden” anderen Accounts, denen man folgen wollte: Modeblogs, Journalisten, die Lifestyle-Szene.

Seit dem 1. August hat der Account der imaginären Louis Delage (in Wirklichkeit eine Schauspielerin mit anderem Namen) rund 70.000 Follower erreicht (das macht jetzt viele Instagramer richtig neidisch). Aber erst jetzt enthüllte die Agentur, dass der Account Teil einer Kampagne gegen Alkoholismus war.

Das Video mit dem doppeldeutigen Titel „Like my addiction” zeigt explizit, dass die Frau nie ohne einen Drink, ein Bier, irgendetwas Alkoholisches gezeigt wurde. Als eine „Bilderbuch-Alkolikerin” sei diese Frau dargestellt worden, so die Agentur. Ihre Aufgabe war es, aufzuzeigen, wie schwierig es ist, diese Abhängigkeit bei jemandem zu erkennen, dem man (relativ) nahe steht.

Die Geschichte wurde inzwischen von zahlreichen Medien aufgegriffen, auch von denjenigen, die sich zum Beispiel Weinthemen oder anderen alkoholischen Getränken verschrieben haben. Der Instagram-Fake-Account ist bis heute auf fast 95.000 Follower angewachsen.

Was auch immer diese Aktion an harten Fakten ergeben mag: Sie hat einmal mehr ins Bewusstsein gerufen, dass es oft ein schmaler Grat ist zwischen Genuss und Lebensfreude und Abhängigkeit.

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