testschmecker_460x90

testschmecker.de

Testesser im Bio-Dschungel


2007 Biorebe Tempranillo

Ein Spontankauf: 3,79 Euro für einen Biowein im Supermarkt? Bislang war die magische Grenze für solche Biowein-Einkäufe im Supermarkt bei mir bei fünf Euro. Und ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Also einen Versuch wagen, schließlich habe ich mit diesem Wein auch gute Erfahrungen gemacht. Auch der Biorebe-Wein aus der Weinkellerei Peter Mertes ist ein reinrebsortiger Wein aus La Mancha.

Der Wein hat ein tiefes dunkles Rot, in der Nase etwas Nelke. Im Geschmack dominieren dagegen die herberen Noten, weniger dunkle Beerenaromen, dafür etwas Lakritze. Empfohlen wird er zu Lamm, Wild und kräftigen Käsesorte und als Essensbegleiter braucht er auf jeden Fall einen starken Widerpart. Von der Geschmeidigkeit und Eleganz, die ein guter tempranillo entwickelt, ist er noch ein gutes Stück entfernt. Aber das kann man wohl bei diesem Preis auch nicht wirklich erwarten.

Popularity: 12% [?]

2006 Merlot Lison-Pramaggiore

Merlot

“Ah, ein Merlot - everybody’s Darling.” So kommentierte einmal eine Weinverkäuferin meine Auswahl. Äußerst treffend fand ich: Mit einem Merlot kann man eigentlich kaum etwas falsch machen. Meistens sind es geschmeidige leichte Rotweine, ohne zu viel Gerbstoffe, aber eben doch keine “Leichtgewichte”.

Dieser Merlot, der 2006 Merlot Lison Pramaggiore, war einer von gleich mehreren Bio-Merlots in meinem Edeka-Markt. Das Erscheinungsbild (edel) war ein bißchen edler, der Preis ein bißchen höher als bei seinen Bio-Merlot-Kollegen im gleichen Regal (ja, es war ein gut sortierter Supermarkt). Mit 6,50 Euro lag er über der magischen 5-Euro-Grenze, die offensichtlich für viele Bioweine aus dem Supermarkt gilt.

Dieser stammt typischerweise aus dem italienischen Weinanbaugebiet Lison-Pramaggiore in den Regionen Friaul und Venetien. Die Ursprungsbezeichnung DOC (Denominazione di origine controllata) ist ein Qualitätsmerkmal, dass für den Laien beim Supermarkt-Einkauf durchaus hilfreich sein kann: Weine mit dieser Bezeichnung stehen über solchen mit dem Hinweis “Indicazione Geografica Tipica” (IGT) und unterhalb derer, die ein DOCG tragen (Denominazione di Origine Controllata e Garantita). Die gesetzlichen Regelungen für diese Bezeichnungen umfassen neben dem Anbaugebiet auch die Rebsorte und den maximalen Ertrag.

Der Merlot ist sein Geld wert: rubinrote Farbe, Duft von dunklen Kirschen, Brombeere, der Geschmack eher weich (was die Rebsorte ja zu everbody’s Darling gemacht hat), die Gerbstoffe gut eingebunden in die Frucht. Ein guter Griff zum günstigen Preis.

Popularity: 11% [?]

Umfrage-Ergebnis: Der Trend zu Bio hält an

Ein erhellendes Licht auf Verhalten und Einstellung der Verbraucher wirft eine Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Dialego im Auftrag der Fachmesse für Weine und Spirituosen ProWein vorgenommen hat. Demzufolge hält der Biotrend in Deutschland an:

Die Nachfrage der Verbraucher nach Produkten aus biologischem Anbau bezieht sich jedoch nicht nur auf Obst & Gemüse. Auch beim Wein darf es heute immer öfter Bio sein. Dies belegt eine aktuelle Studie im Auftrag der internationalen Fachmesse für Weine und Spirituosen ProWein, in der 765 Männer und Frauen ab 18 Jahren befragt wurden. Demnach hat bereits jeder Dritte schon einmal Biowein getrunken. Und die Resonanz ist durchaus positiv: Jeder Vierte von diesen würde den biologischen dem klassischen Tropfen vorziehen.

So weit, so gut. Nun die nüchterne Begründung: Am wichtigsten für den Bioweinkonsum sei nicht der Geschmack, den führen nur rund 40 Prozent der Befragten als Grund an. Ganze 75 Prozent gaben an, Biowein vor allem wegen der eigenen Gesundheit zu trinken. Und da haben sie wohl was falsch verstanden: Nur wenige Biowinzer behaupten, Biowein sei gesünder. Weitaus mehr argumentieren -und das ist wissenschaftlich haltbarer- dass Biowein eher auf dem Umweg über eine weniger belastete, “gesündere” Umwelt dem Verbraucher zugute komme.

Das immerhin respektieren auch fast genauso viele Verbraucher: 74 Prozent der Konsumenten bevorzugen die biologisch angebauten Weine der Umwelt zu Liebe.

In einem Punkt scheinen die Verbraucher ehrlicher geworden zu sein: Nur noch 24 Prozent der Befragten würden für Biowein tiefer in die Tasche greifen als für konventionell angebauten Wein. Früher waren diese Angaben in einzelnen Umfragen auch schon mal höher - das Verhalten der Verbraucher indes blieb davon unbeeinflusst. Sprich: Aussagen in Umfragen und Einkaufsverhalten wichen voneinander ab.

Wer bereits einmal Biowein probiert habe, so die Studie, würde mehr Geld für ökologisch angebauten Wein ausgeben als für die klassischen Weine. Gekauft werde Biowein vorzugsweise direkt beim Erzeuger: Rund zwei Drittel der Biowein-Konsumenten kauft beim Winzer, genauso viele im Weinfachhandel, weitere 57 Prozent im Bio-Laden. Supermarkt (38 Prozent) und das Internet (18 Prozent) spielen eine geringere Rolle.

Grundlage war eine bundesweite repräsentative Umfrage unter 765 Männern und Frauen ab 18 Jahren, die mindestens einmal in den letzten 3 Monaten Wein getrunken haben, heißt es dazu.

Popularity: 8% [?]

Chianti DOCG von Biovin Italia

Den 2007er Chianti DOCG von Biovin Italia (5,99 €) habe ich bei REWE endeckt, auf Nachfrage beim Importeur wurde mir mitgeteilt, dass der Wein auch bei Edeka gelistet ist. Der Produzent dieses Chiantis aus ökologisch angebauten Trauben ist das Weingut R. Rossi aus Loro Cuiffenna.

Im Glas zeigt sich der Chianti karminrot mit violetten Reflexen. In der Nase dominieren dunkle Waldfrüchte und erdige Noten. Im Mund zeigen sich noch Aromen von Erdbeer, Schwarzkirsche, Veilchen und Piment. Chianti-typisches, kräftiges Tanningerüst bei lebendiger Säure, schöne Länge. Warmer, süßlicher Charakter - der Wein wirkt dabei noch sehr jugendlich, bereitet aber durchaus schon Trinkfreude.

Ich habe Spaghetti Bolognese mit passierten Tomaten, Rinderhack, Speck, Wurzelgemüse, Knoblauch und frisch geriebenem Parmesankäse zum Wein gekocht - eine Kombination, die bestens funktioniert.

Popularity: 13% [?]

Kunzmann Bio-Glühwein

Glühwein ist ein beliebter Trunk auf Weihnachtsmärkten, bei Schlittenfahrten oder sonstigen Ausflügen bei kalter Winterwitterung. Dabei müssen meist recht zweifelhafte Qualitäten in Kauf genommen werden, wenn man nicht selber einen Wein seiner Wahl mit Gewürzen versetzt. Glühwein aus billigsten Grundweinen, deren Mängel mit Gewürzen und Zucker zugeballert werden, können natürlich kein Hochgenuss sein. Wie steht es um die Qualität beim Bio-Glühwein?

Der Kunzmann Glühwein mit EG-Öko-Siegel ist mit 2,99 € (REWE) schon ein Vertreter der oberen Preisklasse. Das Alkoholvolumen des Bio-Glühweins beträgt 9 % und die Zutaten Wein, Gewürze und Zucker stammen allesamt aus dem biologischen Anbau. Der Bügelverschluss der pfandfreien 1-Liter-Flasche ist sympathisch und praktisch zugleich. In der Nase typisches Glühwein-Bukett mit kräftigen Gewürznoten. An Nelken, Sternanis und Zimt wurde nicht gespart, im Geschmack gefällt mir diese würzige Note sehr gut. Zucker und Säure stehen gut im Gleichgewicht, wobei mir der Glühwein doch einen Tick zu süß ist. Der durchschnittliche Glühwein ist allerdings pappsüß, so ist der Kunzmann Bio-Glühwein wohl eher am unteren Ende der Zuckerskala anzusiedeln. Zu Lebkuchen oder Weihnachtsgebäck kann ich mir dieses Heißgetränk gut vorstellen.

Fazit: Ein Glühwein, der sich geschmacklich rund und fehlerlos präsentiert. Wer es wie ich jedoch nur dezent süß mag, sollte sich den idealen Glühwein selbst köcheln. Mein Tipp: Kräftigen, halbtrockenen Rotwein mit Glühweingewürzen aus dem Bioladen versetzen und nach Geschmack noch mit Zucker anreichern.

Popularity: 16% [?]

Stellar Winery: Der 2008-er Moonlight Organics Shiraz

Der Moonlight Organics Shiraz ist für mich der erste verkostete Wein des Jahrgangs 2008. Produzent ist die Stellar Winery in Südafrika, eine Kellerei, die biologisch angebaute Trauben aus mehreren Weingütern ausbaut und vermarktet. Der Shiraz wird von Deutschlands bedeutsamstem Biowein-Großhändler Peter Riegel Weinimport ins Land eingeführt und vertrieben.

Für 5,49 € habe ich den 2008-er Moonlight Organics Shiraz bei Alnatura erworben. Die Flasche ist mit einem LongCap-Schrauber verschlossen und trägt das Fairtrade-Siegel, das ich bislang auch nur auf südafrikanischen Weinen gefunden habe. Auf der Internetseite der Stellar Winery findet man dazu einen Text, der von besseren Bedingungen für die Arbeiter und ihre Familien auf den “Farms” spricht.

Meine Verkostungsnotiz des 2008-er Moonlight Organics Shiraz: Im Glas klares Rubinrot, für einen Shiraz (oder Syrah) recht hell in der Farbintensivität. Die Jugendlichkeit schlägt mir schon in der Nase entgegen. Da sind eingekochte Früchte, Leder, auch Tomaten und Paprika. Beim ersten Schluck erinnert mich der Moonlight Organics an einen jungen Beaujolais. Wieder Leder, dunkle Waldfrüchte und rosa Pfeffer. Die deftige Fruchtigkeit wird von süßen Tanninen und einer kräftigen Säure begleitet. Der Abgang ist recht kurz, edle Vielschichtigkeit ist in Anbetracht der für einen Rotwein extrem kurzen Reifezeit nicht geboten, der Moonlight Organics kommt eher schlicht daher. Ein Alkoholvolumen von 14 % ist rebsortentypisch, wobei der Wein nicht schwer wirkt. Für einen Shiraz ist die Machart absolut untypisch, doch der blutjunge Wein bereitet durchaus Trinkfreude, wenn man ihn als solchen bewusst genießt.

Popularity: 20% [?]


  • Recent Comment

    • Christopher: Aus diesem Tomaten kann man auch eine hervorragene Napoli Soße für Spaghetti oder Penne machen. Beim...
    • Oalf Nitzsche - biowein-erlesen: Prima Sache, diese selbstgemachte Erdbeermarmelade. Kann ich nur bestätigen! Wir...
    • Joachim Ott: @Horst: Ja, das ist sicher einer der Vorteile für alle (!) Bio-Anbieter: dass man bei Amazon sozusagen...
    • Joachim Ott: Ja, ausgesprochen lecker auch kalt! Kann aber nicht widerstehen, wenn sie aus dem Ofen kommen und etwas...
    • Olaf Nitzsche: Der Lebensmittelvertrieb über Amazon war ja schon länger angekündigt. Nun ist es also soweit. Auch...