Einkaufen ohne Verpackung und das Thema Food-Design: das Drumherum

Verpackungen von Lebensmitteln

Es gibt sie schon, die Läden, in denen man einkaufen kann, ohne die Verpackungen mitzunehmen. Was bei uns noch etwas sektiererhaftes hat, das wurde in den USA schon umgesetzt: Die amerikanische Website treehugger berichtet über den ersten verpackungsfreien, Null-Abfall-Laden in den USA, der in Austin in Texas entstehen soll.

Auf der Website des Betreibers in.gredients kann man sich über das Projekt informieren und auch ein lustiges Video über Verpackungs-Recycling ansehen.

Bei allem Unmut über die zunehmenden Mengen an Verpackungsmüll und bei allem Respekt vor dem Charme, den dieses Projekt auf den ersten Blick hat: Für mich wäre das nichts. Das bedeutet ja, dass ich für jedes Lebensmittel die passende Verpackung schon mit in den Laden bringen muss. Und demzufolge die leeren zuhause stapeln muss. Und dass ich zuhause nicht mehr auf der Verpackung nachlesen kann, welche Zutaten enthalten sind.

Ich wäre ja schon froh, wenn Verpackung künftig praktisch und ästhetisch ansprechend gestaltet wäre. Ich habe nichts gegen Vielfalt bei den Verpackungen, aber manchmal schaudert es mich schon, was beim Versuch auf jeden Fall anders zu sein herauskommt. Die wenigen positiven Beispiele, auf die ich in jüngerer Zeit auch im Internet gestoßen bin, scheinen aus England zu kommen. Wie dieses im Bild oben, über das Swiss Miss (Tina Roth Eisenberg) vor einiger Zeit berichtet hat.

In dem Maße, wie bei uns verarbeitete Lebensmittel und Fertigprodukte die Grundnahrungsmittel ablösen (wer kauft noch Mehl und Zucker, wenn es die Kuchen-Fertig-Back-Mischungen doch so günstig gibt?), wird auch die Menge der Verpackungen zunehmen.

Ich überlege mir, unabhängig vom Bio-Aspekt, an dieser Stelle auch mal gelungene Verpackungslösungen vorzustellen, die mir gefallen. Allzu viele sind das ja nicht. Woran sich auch fast nahtlos das Thema Food-Design anschließt…

Food Design - Doku Film DVD Video Wiki Essen Ernährung Produkt Geschmack Magnum Werbung Mahlzeit

Ansturm auf lebensmittelklarheit.de

Website lebensmittelklarheit.de

Schön, dass es diese Website gibt. Und schön, dass sich so viele Menschen dafür interessieren.

Damit ist aber schon das Positivste gesagt, was man derzeit über die Website lebensmitteklarheit.de berichten kann. Denn gestern bei der offiziellen Vorstellung ist der Server unter der Last von bis zu 20.000 Serveranfragen pro Sekunde zusammengebrochen. Und auch heute, Donnerstag, den 21. Juli, sehe ich noch nicht mehr als die Eingangsseite.

Was man hier und über die Medien erfährt scheint aber durchaus gut zu sein: Verbraucherministerin Aigner hat das Porjekt initiiert und fördert es in den nächsten zwei Jahren. Betrieben wird es vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. Ziele sind Information und Austausch über die Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln.

Dass das Projekt etwas bewegen könnte, das merkt man schon am ersten Aufschrei eventuell Betroffener: Die Lebensmittelindustrie fürchtet eine der Hauptfunktionen des neuen Internetangebotes. Dort können nämlich Verbraucher Beschwerden abgeben, wenn sie sich getäuscht fühlen von Produkten, deren Beschaffenheit oder deren Beschreibung.

Die CSU-MInisterin und die Verbraucherverbände also im gleichen Fahrwasser wie die Aktivisten von Foodwatch, die mit ihrer Website abgespeist.de genau das anprangern: Werbelügen und Etikettenschwindel? Naja, eigentlich schon. Letztlich aber, so ist zu vermuten, dürfte die neue Website wesentlich zurückhaltender sein als die Vertreter von Foodwatch. Die vergaben unlängst unter großer Aufmerksamkeit der Medien den „Goldenen Windbeutel” für die dreisteste Werbelüge.

Bleibt für lebensmittelklarheit.de noch das weitere Feld der Aufklärung und Information. Über Produkte soll informiert werden, über die Details der Zutatenlisten auf den Verpackungen aufgeklärt werden. Und man will auch erläutern, unter welchen Begriffen sich was – rein rechtlich – verbergen darf und wo die Grenzen sind. Aktuelle Beispiele auf der Website sind die Anteile von Kalbfleisch in einer Kalbswurst. Und Schafskäse, der in Wirklichkeit aus Kuhmilch hergestellt wird.

Was also wird das neue Internetangebot, das jetzt schon auf so großes Interesse stößt, ausrichten können?

Das Anprangern von Mißständen, so ist meine Befürchtung, werden die Leute von Foodwatch auch künftig wahrscheinlich besser und effektiver erledigen. Der Vorteil dieser staatlich geförderten Infoseiten wird sein, dass sie zunehmend von Verbrauchern ernst genommen werden könnte, die den Aktivisten und Verbänden bislang eher misstrauisch gegenüber standen – aus welchen Gründen auch immer.

Meine Einschätzung: Das Angebot ist gut und richtig, das Engagement der CSU-Ministerin finde ich mutig und wegweisend. Aber ich teile auch die Auffassung der Foodwatch-Vertreter. Die meinten anlässlich der Eröffnung bereits, mit Information und Aufklärung und Beschwerden sei es nicht getan, wenn die umstrittenen Produkte weiterhin in den Regalen stehen und verkauft werden.

Als Journalist weiß auch ich, dass Informationen alleine oft nicht genügen – wenn zum Beispiel nicht gerade Lebensmittelskandale die Aufmerksamkeit der Verbraucher für solche Themen schärfen. Denn die meisten Zusammenhänge sind ja schon heute bekannt, sie werden in den Medien dargestellt und man kann sie mühelos im Internet recherchieren.

Aber solange selbst die am einfachsten verfügbaren Infos, wie zum Beispiel die Inhaltsstoffe auf der Zutatenliste weder zur Kenntnis genommen noch hinterfragt werden, haben die Aufklärer einen schweren Stand. Die Verbraucherschützer und die Ministerin sind auf dem richtigen Weg, werden aber einen langen Atem brauchen – und eine dicke Haut.

Ansturm auf das neue Informationsangebot

Das Demeter-Journal online lesen

Screenshot des Demeter-Journals

Die Hochglanz-Zeitschriften und viele Fachmedien haben es schon lange entdeckt: Eine Online-Ergänzung zur Printausgabe kann viele Vorteile haben. Weil sich diese Vorteile nicht immer gleich in barer Münze auszahlen oder weil vielen Print-Verlagen die Erfahrung fehlt, gute und halbwegs profitable Online-Angebote auf die Beine zu stellen, fehlt vielen renommierten Zeitschriften noch immer eine Entsprechung im Internet.

Den ersten Schritt, beide Angebote sinnvoll zu verknüpfen (freilich auf recht rudimentäre Weise) hat man jetzt bei Demeter unternommen. Nachdem die Demeter-Website in der Vergangenheit benutzerfreundlicher und umfangreicher wurde, gibt es das Demeter-Journal jetzt nicht nur als PDF, das man sich zum Ansehen auf seinen Rechner herunterladen kann.

Zusätzlich gibts jetzt auch eine Online-Ausgabe zum Durchblättern, was ich als einiges komfortabler empfinde.

Es gibt ja generell nicht viele Medien, die über biologisch-dynamische Lebensmittel und deren Erzeugung informieren. Natürlich hat das Magazin dieses Bio-Verbandes da einen ganz eigenen Stellenwert, weil es ja auch keine objektive Berichterstattung eines unabhängigen Mediums ist, sondern eben auch eigene Interessen verfolgt.

Trotzdem finde ich es so interessant und gut gemacht, dass ich gerne reinschaue. Im Prinzip ist das noch kein echter Mehrwert durch die Online-Funktion, aber die Inhalte werden leichter verfügbar gemacht und gelangen an eine größere Leserschaft.

Eine nachhaltige Liste: tauschen, leihen, mieten

Liste zum Thema tauschen, leihen und mieten

Ein Fleißbildchen verdient hat sich der aus Freiburg leider nach Berlin gezogene Sebastian Backhaus: Auf seiner Website hat er eine Liste mit Online-Plattformen veröffentlicht, bei denen es ums (äußerst nachhaltige) leihen, tauschen und mieten von Artikeln und Dienstleistungen geht.

Das hat jetzt zwar mit dem Kernthema von testschmecker.de nur am Rande zu tun (die Rubrik gemeinsam kochen gibt es dort auch), ist aber in punkto Nachhaltigkeit so empfehlenswert, dass ich auf den Link nicht verzichten möchte.

Die Liste reicht von der Mitfahrzentrale bis zum Co-Cooking, vom gemeinsamen Gärtnern bis hin zum Couchsurfing. Die Liste ist deutsch und international und wie wir Sebastian kennen, wird er das wertvolle Teil auch pflegen und – mit Hilfe seiner Leser – erweitern.

Auch wer glaubt, sich in diesem Bereich auszukennen, wird dort noch einige gute neue Adressen finden!

Biodeals: Rabatt-Schnäppchen aus der Bio-Ecke

Bio-Schnäppchen bei biodeals.de

Die Internet-Plattformen auf denen Sonderangebote angepriesen werden kennt man ja: Es sind Websites, die mit zu den besucherstärksten gehören. Das Informationsangebot ist immer etwas „durchwachsen“: Natürlich ist es auch Werbung, aber der Besucher akzeptiert das meist, wenn er dafür ein Schnäppchen macht.

Gehandelt werden meistens Massenartikel, die mal mehr, mal weniger im Preis reduziert sind. Oft sind es Technikartikel, für die es im Internet mit die größte Nachfrage zu geben scheint, ab und zu auch Kleidung. Lebensmittel sind eher selten im Angebot, Bio-Lebensmittel auch hier – wie überall – eher dünn gesät.

In der Praxis verwendet zwar meistens wesentlich mehr Zeit auf den Besuch dieser Websites, als bei gelegentlichen Käufen und der Preisersparnis angemessen erscheint, aber was solls. Des Deutschen Lust aufs Sparen ist ungebrochen und ich muss zugeben, dass in meinem RSS-Reader auch ein paar solcher Seiten abonniert sind.

Nun gibts das also auch für den Bio-Bereich, oder besser gesagt: ausschließlich für den Bio-Bereich. Auf biodeals.de ist das Angebot zwar noch recht übersichtlich, aber da sich weder das Verhalten der Anbieter noch das der Kunden grundlegend von dem in anderen bereichen unterscheiden dürfte, müssten Angebot und Nachfrage auch hier schnell wachsen.

Neben dem Deal des Tages (aktuell ein Schoko-Gutschein im Wert von 20 Euro für 9 Euro) gibt es auch ältere Deals.

Über mich

Joachim Ott (joachimott.de) ist der Testschmecker. Journalist, Fotograf und Filmemacher. Geboren in Schwaben, lebt in Baden. Ständig auf der Suche nach guten Lebensmitteln.

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