Ich war in der Migros der Zukunft – und wurde enttäuscht

Migros

So herb urteilt Felix Burch im schweizerischen Online Magazin Watson: Ich war in der Migros der Zukunft – und wurde enttäuscht.

„Basierend auf den jüngsten Erkenntnissen aus der Hirnforschung werden die Kunden durch den Laden gesteuert und sollen zu grösserem Konsum animiert werden. Ob das funktioniert, haben wir getestet.”

15 Millionen Franken soll der Umbau gekostet haben, und das Endergebnis soll die Sinne der Kunden wecken – was auch immer damit genau gemeint ist. Münden soll die Erweckung auf jeden Fall in gesteigertem Einkaufsverhalten. Vielleicht ja ein Blick in die Zukunft, auf jeden Fall lesenswert.

Online-Plattform von Ikea will einsame Weihnachtsesser zusammenbringen

Ikea-Weihnachtsaktion

Nette Idee! Und wer machts? Ikea. Über eine eigene Plattform (Zusammen wirds ein Fest # Gästaurant) will das Möbelhaus einsame Weihnachtsesser zusammenringen. Man kann sich als Gastgeber anmelden und wildfremde Leute einladen. Oder man kann sich als Gast einfach dazu setzen.

Für eine solche (werbe-)Aktion gibts sicher von vielen Seiten Bedenken, von wegen Kommerz und Werbung und Datenschutz und was nicht alles. Aber angesichts der Tatsache, dass man eine große Plattform braucht mit vielen Besuchern um eine gute Idee auch umzusetzen, finde ich das ziemlich gut. Und wenns auch der Werbung für Ikea dienen soll – dann finde ich das immer noch ziemlich gut. Ist mir lieber als alle Geil-ist-irgendwas-Kampagnen und die Rabattschlachten, die in den vergangenen Tagen mein Email-Postfach verstopft haben.

Pilz-Vielfalt aus dem Supermarkt

Pilz-Vielfalt aus dem Supermarkt

Pilz-Vielfalt aus dem Supermarkt

Wenn ich bislang mehrere verschiedene Pilzsorten verwenden wollte, musste ich suchen: Bei verschiedenen Supermärkten im Frische-Bereich und in den Tiefkühl-Regalen, bei Händlern und auf dem Wochenmarkt. Schlimmstenfalls blieb die Standardauswahl, Champignons weiß und braun (von den Dosen reden wir mal nicht). Saisonal kommen Pfifferlinge dazu, in jüngerer Zeit auch Kräuterseitlinge.

Dagegen mutet das momentane Angebot fast wie eine Revolution an: Shiitake und Buchenpilze, Samthaube und Samzfußrübling / Enoki, Shimeji weiß und braun und einige mehr (nein, ich bin kein Pilzexperte, das stand drauf). Das meiste zwar abgepackt, auch in Kombinationen, aber in solchen Mengen, dass man gut mixen kann.

Pilz-Vielfalt aus dem Supermarkt

Man fragt sich dann, ob man Teil eines Trends ist, ob noch mehr Leute nach verschiedenen Pilzsorten im Laden gesucht haben und eine automatische Kamera-Auswertung der Supermarkt-Leitung angezeigt hat, wie die Menschen grübelnd, unentschlossen und unzufrieden vor dem Regal stehen. Man traut sich ja nicht, wegen allem, was man gerade vermisst, das Personal zu fragen. Sollte man aber vielleicht tun. Eventuell trägt das dazu bei, dass künftig wieder mehr Sortenvielfalt einzieht. Den Eindruck habe ich sowieso, weil in gut geführten Supermärkten zunehmend regionale Erzeuger Platz in den Frische-Regalen bekommen. Und die haben sich von der billigeren Standardware gerne durch mehr Sortenvielfalt ab.

Nachdem ich mich unlängst auch etwas bei Twitter reingearbeitet habe ist mir aufgefallen, dass dort einige der großen Wochenmärkte in Großstädten twittern. Auch ein Möglichkeit für Kunden, mal zwanglos Kontakt aufzunehmen. Vielleicht gibts das in wenigen Jahren auch in deutschen Supermärkten: Auf vielfachen Wunsch nun auch die Äpfel von Bauer XY aus Z im Angebot. Beim Wein ist es ja schön länger so, dass der Preis nicht mehr so dominierend ist für die Sortimente und regionale Vielfalt Einzug gehalten hat.

Pilz-Vielfalt aus dem Supermarkt

Eigene Pfirsiche im Hitzesommer

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Die große Hitze und Trockenheit bei uns im Südwesten mag den Landwirten zu schaffen machen und vielen Produkten schaden. Unsere kleinen Pfirsichbäume scheinen sich dagegen über die südlichen Verhältnisse zu freuen. Auch wenn man den Eindruck hat, außer dem Stein kann da nicht mehr viel dran sein: Sie schmecken hocharomatisch und sind (relativ) saftig.

Derweil klagen die Landwirte natürlich in vielen Bereichen, lediglich die Winzer scheinen ganz zufrieden zu sein.

Inglorious Fruits and Vegetables – ein Bestseller in Frankreich

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Und da sage noch einer, die Kunden wollten immer nur Obst und Gemüse wie aus dem Bilderbuch: In Frankreich hat die Supermarktkette aus den missratenen Früchten eine eigene Marke gemacht, und die geht sprichwörtlich weg wie die warmen Semmeln. Aufgekauft wurde Obst, das eindeutig nicht der Norm entsprach und seitens der Erzeuger als unverkäuflich angesehen wurde.

Im Supermarkt erhielten die teilweise kurios wirkenden Gewächse nicht nur ein eigenes Regal, sondern auch eine eigene „Marke”, Plakate, Erläuterungen und schließlich wurden diese Produkte sogar weiter verarbeitet und unter dem neuen Markennamen verkauft.

Die genannten Zahlen sind beeindruckend. Es lässt sich freilich schwer sagen, ob die Reduzierung des Verkaufspreises um etwa 30 Prozent ausschlaggebend war oder welchen Anteil sie am Verkaufserfolg hatte.

Hintergrund der „guten Tat” ist die Tatsache, dass jedes Jahr rund 300 Millionen Tonnen Früchte und Gemüse weltweit „entsorgt“ werden. Als 2014 das Europäische Jahr gegen Lebensmittelverschwendung ausgerufen wurde, hat Frankreichs drittgrößte Lebensmittelkette Intermarche gehandelt. Schon der Name ist ziemlich vielversprechend: “the inglorious fruits and vegetables”.

Biowinzer – die nächste Generation

Biowinzer - die nächste Generation

Generationenwechsel im Bereich der Landwirtschaft ist oft ein leidvolles Thema: Die ältere Generation kann mangels Alternative nicht aufhören, die jungen wissen oder ahnen zumindest, welche Veränderungen und Belastungen auf sie zukomenn und zögern, in den elterlichen Betrieb einzusteigen.

Besser sind die Aussichten bei erfolgreichen Betrieben, die eine besondere Vermarktungsform gefunden haben oder ein landwirtschaftliches Produkt, das gute Absatzchancen hat. Zum Beispiel Wein.

Wie aber ist es mit dem Biowein, den Biowinzern? Hier haben die Eltern besonders viel Kraft und Energie in den Betrieb gesteckt, haben Pionierarbeit geleistet. Wollen die Jungen die Position als Einzelkämpfer und Außenseiter übernehmen und sich einem immer srafferen Regelwerk der EU ausliefern? Gar nicht zu reden vom erhöhten wirtschaftlichen Risiko, das mit dem Bio-Anbau immer verbunden ist.

ECOVIN Baden zeigt aktuelle drei Beispiele von vielen, die Mut machen: Drei Familien, bei denen der Übergang klappt. Gemeinsam ist allen Nachfolgern, dass sie gut ausgebildet und hoch motiviert in den Beruf starten. Und dass sich für sie nie die Frage gestellt hat, ob sie ebenfalls “bio” machen: Etwas anderes kam nie in Frage.

Im Gespräch mit ihren Vätern zeigen die drei Jungen, worauf es ihnen ankommt, was bei ihnen anders sein wird und was sie von ihren Eltern übernehmen.

Die dort angehängte Liste derjenigen Betriebe von ECOVIN Baden, wo ein Generationswechsel aktuell ist zeigt, dass die drei vorgestellten Betriebe keine Ausnahmen sind.