Bio-Themen in Mediendschungel

Seltsame Überschrift, nicht wahr? Nun meine ich, mich einigermaßen in der Medienwelt auszukennen und zurecht zu finden. Aber manches überrascht mich dann doch immer wieder. Zum Beispiel, dass das Thema Bio, Nachhaltigkeit, Lohas etc. jahrelang eigentlich nicht stattfand in den Printmedien.

Immer wieder mal ein Hinweis in der Food-Rubrik oder der Lifestyle-Ecke. Von Beständigkeit keine Spur. Als würde das Phänomen Umwelt-Interesse nur kurzfristig beim Verbraucher aufflammen.

Dann steigen renommierte Verlage und Zeitschriften auf das Thema ein: National Geographic, für mich die Institution für wissenschaftliche Berichte, bringt ein neues Heft (The GreenGuide), das den aktuellen Stand für all diejenigen wiedergibt, die die letzten Jahrzehnte auf einem anderen Planeten gelebt haben. Auch andere Verlage bringen Sonderhefte zu Umweltthemen wie TV-Sondersendungen zu Naturkatastrophen.

Sogar die Autobranche versteigt sich zu grünen Sonderheften, Auto, Motor und Sport bringt den Ablager ECO Drive heraus, und auch Auto Bild springt auf diesen Zug auf, mit einer besonders dreisten Variante: Dort werden in einem Heft offensichtlich bevorzugt schon veröffentlichte Artikel zusammengefasst zu diesem Themenbereich.

Seit kurzem finden Umweltbewegte jetzt einen weiteren Titel am Kiosk: Mylife – die neue Art bewusster zu leben. Auch hier haben grüne Themen Konjunktur. Und auch hier ist es wieder eine recht belanglos erscheinende Mischung aus Lifestyle-Häppchen und Werbung. Die Begriffe Bio und ECO tauchen recht häufig auf, doch offensichtlich ist die Auffassung der Redakteure der Burda Media Solutions GmbH von diesem Begriff recht weit gefasst.

Der „Abenteurer“ David de Rothschild darf eine Fotostrecke lang die Uhr seines Sponsors ins Bild halte, weil er mit einem Boot aus recycelten Plastikflaschen segeln gehen möchte. Kauf-Tipps machen weite Teile der Berichte aus, und man ist schon froh, dass 23 Seiten in der Mitte des Heftes klar als Werbestrecke gekennzeichnet sind. Drollig auch der Beitrag über Eco-Fashion, wo man dann schnell den Eindruck bekommt, es machen ja alle ein bißchen öko und man soll sich die Freude am Einkaufen bloß nicht verderben lassen.

Mein Fazit: Offensichtlich wollen etliche Verlage zur Zeit hier eine Lifestyle-Ecke abgrasen, von der sie sich schnelles Geld ohne viel Aufwand versprechen: PR, Pressemitteilungen und Werbung mit ein paar recycelten Artikeln aufmischen und auf den Titel möglichst oft die Begriffe Bio, Eco, grün und und öko aufdrucken.

Die 100cal-Packung und andere Varianten

Neue Packungsgrößen

Nachdem wir hier ja schon einmal auf die Frage eingegangen waren, ob der Testschmecker ein Abnehmblog passt dieses Thema auch ganz gut – und ist topaktuell: Auf Purzelpfund wurde vor kurzem auf eine Packungsgröße aufmerksam gemacht. Demnach halten sich einige Hersteller nicht mehr an althergebrachten Größen und Einheiten auf, sondern gestalten das jetzt völlig frei. Dieses Beispiel stammt übrigens aus Frankreich, wird aber auch bei uns bald Schule machen.

Es geht hier konkret um die 100-Kalorien-Schokolade-Packung. Im Prinzip keine schlechte Idee für all diejenigen, die abnehmen wollen aber etwas willensschwach sind (und wer ist das nicht?). Wenn die Packung halt nur 100 Kalorien hergibt, kann man eigentlich kaum was falsch machen. Außer, man kauft gleich drei oder vier…

Mit der neuen Gesetzgebung zur Aufhebung von Normgrößen im Lebensmittelhandel erhält das Thema neue Aktualität. Zwar hilft uns der Gesetzgeber, in dem er die Angabe des Kilo- oder Literpreises fordert. Aber die Erfahrung lehrt, dass der Verbraucher mit Bauch und Auge kauft. Für das Kleingedruckte (und das gilt ja auch für die Zutatenliste) bleibt da wenig Aufmerksamkeit.

Was haben wir also als nächstes zu erwarten? Die Milchflaschen mit 950 ml? Das Brot mit 325 Gramm? Eigentlich dürfte all das einen aufgeklärten Verbraucher nicht schrecken. Bliebe da nicht der Verdacht, dass solche Änderungen in erster Linie einer Preiserhöhung durch die Hintertür dienen.

Dass es auch anders geht zeigen schon lange die Franzosen, von denen ja auch das obige Beispiel stammt. In den dortigen Supermärkten findet man schon seit Jahren ganz seltsame Packungsgrößen, die auf die dortige Form der Sonderangebote zurückzuführen sind. Statt das 250-Gramm-Glas billiger zu machen versprechen sie: „30 Prozent mehr zum gleichen Preis“. Herauskommen dabei ganz seltsame Packungsgrößen und man fragt sich, ob sich das für die Hersteller rechnet, wenn sie für solche Aktionen neue Verpackungsmaterial ordern müssen.

Wer machts nun also richtig? Es gibt ja auch noch die bekannten Beispiele aus den USA, wo man ganz unabhängig vom Preis einfach versucht, die Packungsgrößen zu steigern. Die XXXL-Variationen sollen zum erhöhten Konsum verführen, was ja in Amerika wohl auch gelungen ist.

Bio-Angebote bei real

Bioprodukte bei real

„Einmal hin, alles drin“, so lautet der Werbe-Slogan der real-Märkte. Und es wird stets der Eindruck vermittelt, als könnte man dort wirklich, wirklich alles bekommen. Ds kann gut sein – wenn es denn nicht gerade Bio-Produkte sein sollen.

Die Website bezieht sich speziell auf Brot, Fisch und Wein. Und wer das Gesamt-Bio-Angebot aufruft, der findet gerade mal vier Säfte und 9 Bioweine. In den Läden ist das Angebot natürlich größer, weil dort auch die Bio-Artikel der anderen Hersteller aufgenommen sind, und nicht nur die Eigenmarke.

Dennoch dürfte das Info-Angebot auf der Website ruhig etwas ausführlicher sein. Es scheint allerdings auch zu bestätigen, dass es einige Artikel gibt, die sich als Bioprodukt im Supermarkt partout nicht verkaufen lassen (angeblich Tees und Backmischungen) und andere, die besser laufen (traditionell Milchprodukte aber eben auch Wein).

Über mich

Joachim Ott (joachimott.de) ist der Testschmecker. Journalist, Fotograf und Filmemacher. Geboren in Schwaben, lebt in Baden. Ständig auf der Suche nach guten Lebensmitteln.

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