Das Dilemma mit der Brezel

12. Oktober 2015 | Backen, Nicht bio, aber gut | 0 Kommentare

Die Brezel

Wochen-, monatelang kann man es vergessen. Und dann trifft es einen doch wieder mit ganzer Wucht: Die bittere Erkenntnis, dass man in einem Landesteil des Bindestrich-Landes lebt, in dem man sich nicht auf die Herstellung einer Brezel versteht. Baden ist meine Wahlheimat, ich lebe gerne hier. Die Südwest-Ecke Deutschlands hat viele Vorzüge. Backwaren gehören nicht unbedingt dazu.

Doch spätestens wenn man für einen Kurzbesuche ins Schwäbische zurückkehrt, stellt man fest, wie groß die Diskrepanz ist: Badener können keine Brezeln backen. Punkt. Das ist bitter. In Zeiten, in denen es das schwäbische Laugengebäck bis in die nördlichsten Provinzen, ja, bis ins Ausland geschafft hat, sollt eman meinen, dass sich rumgesprochen hat, wie eine ordentliche Brezel aussieht. Baguettes und Croissants gibt es ja ab und an auch außerhalb Frankreichs in akzeptabler Qualität.

Vielleicht liegt es ja gar nicht am Unvermögen der Bäcker, vielleicht kennen die Back-Experten die geheimen Wünsche der Menschen außerhalb Schwabens, die sich die Brezel halt anders wünschen: nicht knusprig, nicht mit einer dünnen Seite, nicht mit einer braunen Laugenkruste. Dafür mit viel Salz.

Die extremsten Negativ-Beispiele waren bislang labbrig-weiche Brezeln, total bleiche Teiglinge oder – und das ist ja schon fast wieder kultig, wenn man was ganz anderes aus einem Original macht – eine kreisrunde Brezel, die auf allen Seiten fast gleich dick war und in die Butter (oder Margarine) gespritzt (!) worden war. Sozusagen die Parodie auf eine Butterbrezel.

Da ich einige Male im Jahr in der Nähe von Stuttgart unterwegs bin, schöpfe ich aus dem Vollen und praktiziere bei diesen Exkursionen eine Butterbrezel-Capucchino-Diät. die Kaffees sind meist total unterschiedlich, die Brezeln schwanken zwar auch in der Qualität liegen aber deutlich über dem, was man im Badischen erhält. Erstaunlicherweise schaffen es einige Aufback-Automaten der Supermärkte, Brezel-Exemplare herzustellen, die dem Original näher kommen als viele Bäcker-Brezeln.

Hat es was mit der alten Rivalität von Badenern und Schwaben zu tun? Nach dem Motto: Wenn wir schon das schwäbische Nationalgebäck nachmachen, dann machen wir es ganz anders. Oder sind die Geschmäcker regional so verschieden?

Angesichts der steigenden Brezel-Preise (derzeit 70 Cent) fällt es immer schwerer, den hiesigen Bäckern die reue zu halten. Vielleicht nimmt sich die Bäcker-Innung der Sache mal an. Nachdem man den gerichtlichen Streit mit den Diskountern ums Backen und Aufbacken ergebnislos beigelegt hat, wäre das doch eine gute Möglichkeit, Profil zu gewinnen. .

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Über mich

Joachim Ott (joachimott.de) ist der Testschmecker. Journalist, Fotograf und Filmemacher. Geboren in Schwaben, lebt in Baden. Ständig auf der Suche nach guten Lebensmitteln.

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