Aufs Brot: Aufstriche und mehr

Aufs BrotAufs Brot: Aufstriche und mehr Eine wohltuend pragmatische Rezeptesammlung mit der man – mit einfachen Mitteln – ziemlich viele Alltagssituationen bewältigen kann: Brot und Aufstriche sind ja oftmals der Retter in der Not, wenn man nicht kochen will – und dennoch etwas Leckeres braucht.

Nicht zu vergessen sind die Brotaufstriche ebenso wie das Kapitel Brot to go eine gute Allzweckwaffe gegen die Fastfood-Angebote, die locken, sobald man das Haus verlässt. Etwas Gutes und Gesundes dabei zu haben kommt einem ja oft etwas spießig vor. Aber am Ende des Tages ist man mit dem selbst gemachten meist zufriedener, als wenn man sich an den Ständen und Theken bedient hätte.

Das Buch zeigt viele bodenständige Gerichte, durchaus auch mit exotischem Touch. Aber es ist von den gerade sehr aktuellen Streetfood-Büchern doch ein gutes Stück entfernt und das meiste lässt sich ohne größere Einkäufe rasch zuhause nachbereiten. Und weil das Brot selbst dabei auch eine wichtige Rolle spielt, gibts am Ende des Buches auch noch ein Kapitel zum Thema Brot backen mit wenigen feinen Rezepten.

Abgerundet wird das „typische” Brot-Programm durch die süßen Varianten, denen ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Auch die etwas exotischeren Varianten haben (zum Beispiel Banh Mi) ihren Platz gefunden, freilich so, dass sie ohne allzu großen Aufwand nachzukochen sind. Dabei sind die Empfehlungen durchweg pragmatisch, zum Beispiel wird bei Pulled Pork zum Fertigprodukt geraten. Andernfalls wäre das Rezept für diese Kategorie auch wirklich oversized.

Für 20 Euro gibts viele Anregungen für die gute Zwischen-Mahlzeit, die auch mal zum Hauptgang werden kann. Und als Begleiter für unterwegs ebenso taugt wie zur Verköstigung von Gästen.

Jamies Superfood für jeden Tag

Jamies SuperfoodJamies Superfood für jeden Tag Ein fast jünger gewordener Jamie Oliver lacht vom Cover seines neuesten Buches und er verspricht unter anderem „gesund genießen, glücklich sein.” Wer jetzt schon wieder genug hat von der Neuerscheinung und vielleicht auch von dem rasch erschöpften Thema Superfood, der sollte sich erst mal entspannen.

Wie bei allen Mode-Erscheinungen bleibt am Ende des Tages und nach Abzug aller Hypes meist etwas ganz Gewöhnliches übrig. In diesem Fall: ein grundsolides Kochbuch. Auch wenn am Ende des Buches ein extra Kapitel dem Thema ‚Gut leben‘ gewidmet ist: Eine Erklärung dafür, was denn nun Superfood wirklich sein soll, konnte ich nicht finden.

Blendet man die Superlative und einige Nebelkerzen aus, dann ist dieses jüngste Jamie Oliver Kochbuch ein bewährte Mischung aus interessanten und aktuellen Rezepten und (aus meiner Sicht sehr vernünftigen) Ernährungstipps. Natürlich fehlen einige der angesagtesten Superfood-Zutaten nicht, wie Chia-Samen oder Quinoa. Aber alles in allem sind die Rezepte nicht nur erstaunlich alltagsnah ohne allzu exotische Zutaten (oder man kann sie schadlos weglassen). Sie sind auch wirklich erstaunlich konsequent auf gesunde Ernährung ausgerichtet.

Eine wichtige Rolle spielt dabei neben der Nahrungszusammensetzung, auf die auch mehrmals eingegangen wird, der Kaloriengehalt. Schon im Vorwort verspricht Oliver, dass die Rezepte nicht mehr als 400 Kilokalorien pro Person fürs Frühstück und 600 Kilokalorien für die Hauptmahlzeiten mit sich bringen. Und weiter hinten gibt es ein eigenes Kapitel zum Thema „100 Kalorien Salate“, das sicher ebenfalls viele Interessenten findet. Am Fuß jeder Rezeptseite findet sich eine tabellarische Übersicht mit Angabe der Kalorien und Nährstoffe und der Zubereitungszeit.

Alles in allem also eine gute Mischung aus alltagsgerechter, gesunder und kalorienarmer Ernährung, in der Fleisch nicht die Hauptrolle spielt. Natürlich geht es – wie immer in Olivers Kochbüchern – ziemlich international zu. Aber da ist kaum etwas dabei, was sich beim Einkauf in einem gut sortierten deutschen Supermarkt nicht finden ließe. Außerdem gibt es schon gleich am Anfang die Aussage, dass die Durchschnittskosten der Gerichte pro Person bei 3,50 Euro liegen – das erscheint ausgesprochen knapp kalkuliert.

Zusammen mit den allgemeineren Ernährungstipps auf den letzten Seiten ist das Buch aus meiner Sicht eine wirklich runde Sache. Und die Aussage, dass man auch mit nur wenigen nachgekochten Rezepten schon etwas Gutes für sich tut, ist durchaus nachvollziehbar. Von mir gibts eine klare Kaufempfehlung, auch wenn ich zugeben muss, dass mich die etwas reißerischen Versprechungen auf dem Titel eher abgeschreckt haben.

25 Euro für die gebundene Ausgabe sind eine gute Investition, geboten werden im Kern jeweils rund 30 Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Essen ohne Kohlehydrate von Alexander Grimme

160202_essenohneEssen ohne Kohlenhydrate: Gemischte Low-Carb Rezepte Die drei großen Stapel jeder Buchhandlung wachsen weiter: vegetarisch, vegan und kohlehydratfrei sind die Themen im Lebensmittelbereich, die wohl gerade die meisten Menschen interessieren. Interessante Neuerscheinung mit unerwartetem erfolg ist das Buch „Essen ohne Kohlehydrate“ von Alexander Grimm.

Zuerst entstand wohl eine Facebookseite zu diesem Thema, dann erst wurden die Rezepte gesammelt und ein Buch entstand. Inzwischen hat die Facebookseite schon fast 300.000 Follower, das Buche erschien im vergangenen Oktober und hat jetzt bereits 69 überwiegend positive Rezensionen.

Und wenn man sich das Buch ansieht, dann versteht man zumindest teilweise den Charme und den Erfolg des Buches: 40 Rezepte auf 76 Seiten, die meisten wirken so, als könnte sie fast jeder aus dem Stand nachkochen /-backen. Nix Überkandideltes, keine Chefkoch-Allüren, kein großer theoretischer Unterbau. So müssen Kochbücher im Internet-Zeitalter wohl sein: Einfaches Nachkochen aus dem Stand und Überschaubarkeit, das schlägt die Brücke zwischen einer großen Facebook-Anhängerschaft und den Alltagsanforderungen.

Geordnet sind die Rezepte nach den Tageszeit, dazu kommt ein Kapitel übers Backen (wichtig auch für Eiweißbrote) und zum Thema Raw / Vegan. Für rund 15 Euro ist das Buch auf den ersten Blick zwar nicht ganz billig bei diesem Umfang. Aber die wahrscheinlich auch etwas jüngere Klientel wird gerne nach dem E-Book greifen, dass man sich für rund 6 Euro direkt auf Tablet oder Smartphone holen kann.

Wer noch direkter Einsteigen möchte, der kann sich in der Facebook-Gruppe anmelden – oder direkt auf die Website zum Buch gehen: http://www.essen-ohne-kohlenhydrate.info/: Dort gibt es neben weiteren Infos zum Thema und einem noch recht übersichtlichen Forum auch sehr viele Rezepte, mit ausführlichen Anleitungen, Zutatenlisten und man kann sich auch an den Bewertungen der Besucher für die einzelnen Rezepte orientieren.

Alles in allem eine sehr gelungene Kombination aus Online- und Offline-Angeboten. Und wer die (offensichtlich werbefinanzierte) Website schätzt und dem Autoren was Gutes tun möchte, den schmerzen die 6 Euro fürs E-Book sicher auch nicht.

Fettlogik überwinden von Nadja Hermann

Fett-Logik überwinden von Nadja HermannFettlogik überwinden Diät-Bücher haben in diesem Blog bislang wenig Beachtung gefunden. Was auch daran liegt, dass mir viele propagierte Methoden suspekt sind.

Nicht, dass ich als Genussmensch etwas gegen das Thema Abnehmen hätte, im Gegenteil: Wohl jeder hat schon mal das Bedürfnis verspürt, sein Gewicht zu kontrollieren und zu reduzieren. Ich bin da keine Ausnahme. Aber ich bin in manchen Betrachtungsweisen ein eher technisch-nüchterner Mensch. Abnehmen funktioniert meiner Meinung dann, wenn man weniger Kalorien zuführt, als man verbraucht. Punkt.

Weniger essen und mehr verbrauchen ist in meinen Augen eine gute Lösung. Wobei Sport alleine zum Abnehmen kein probates Mittel ist, wenn man nicht gerade Langstreckenläufer ist. Aber die haben nur selten Gewichtsprobleme.

Dass ich mir dieses Buch (als E-Book) gekauft habe, hat vor allem zwei Ursachen: Erstens betreibt die Autorin einen tollen Twitter-Account. Zweitens ist schon das erste Reinschauen ins Buch so nüchtern und informativ und anschaulich, dass man weiterlesen möchte: Keine Dogmen, keine verquasten Theorien. Ich würde das mal als naturwissenschaftlichen Zugang zum Thema beschreiben, das liegt mir sehr.

Hinzu kommt, dass ich alleine schon aufgrund der Biografie der Autorin ziemlich viel Vertrauen in ihre Arbeit habe: Dr. Nadja Hermann hat einen ernährungswissenschaftlicher Abschluss, absolvierte ein Psychologiestudium mit Diplomarbeit über Diäten und eine Ausbildung in Verhaltenstherapie. Mit Anfang 30 wog sie knapp 150 Kilogramm – inzwischen sind es 65.

Angenehm ist für mich der relativ nüchtern wirkende Zugang zum Thema. Es wird mit so ziemlich allen gängigen Vorurteilen und Halbwahrheiten aufgeräumt:
– Mein Stoffwechsel ist kaputt
– Ich habe an einem Tag nur einen Apfel gegessen und davon zugenommen
– Gesundes Essen ist einfach zu teuer
– Mir ist Genuss wichtiger
etc.

Das ist die gute Nachricht: Mit dem Basiswissen aus diesem Buch kann man alle Berichte und Anleitungen relativ schnell und sicher einordnen. Auch verzerrte Wahrnehmung oder einfache Lügen, pseudowissenschaftliche Aussagen und sogenannte Lebensweisheiten.

Die schlechte Nachricht: Am Ende des Tages bleibt wenig übrig und der ganze Facettenreichtum der Diäten-Welt schrumpft auf die einfache Wahrheit zusammen, dass an weniger und gesundem Essen und der ausgeglichenen Kalorien-Bilanz kein Weg vorbeiführt.

Das liest sich jetzt nüchterner und drastischer als es geschrieben ist und aus eigener Anschauung der Autorin erlebt wurde. Das Buch ist über die gesamten 400 Seiten der gedruckten Ausgabe nicht langweilig. (Ich habe das E-Book, das nochmal günstiger ist als die gedruckte Ausgabe). Es ist unterhaltsam geschrieben und trotz der vielen Fakten leicht verständlich und anschaulich.

Mein Rat: Wenn jemand eine Diät / Abnehmen in Erwägung zieht, dann ist das die Grundlage. Was auch immer man später als Modell oder Leitfaden heranzieht, mit diesen Informationen kann man alle Ratschläge und Anleitungen recht gut beurteilen und einordnen.

Natürlich genügen auch die Informationen aus diesem Buch, um abnehmen zu können. Aber so schwer ein Verhalten wie Ernährungsgewohnheiten zu ändern ist, so schwer ist es sicher auch, der Attraktivität der verschiednen Konzepte zu widerstehen. Und der bunte Büchermarkt mit mehr oder weniger prominenten Fürsprechern bestimmter Methoden wird sicher weiter seine Anhänger finden. Also wird sicher auch nicht jeder, der das gelesen hat, gleich zur ausgeglichenen Methode von gesundem Essen, Kalorien zählen und Bewegung finden.

Aber wer diese Fettlogiken erst einmal enttarnt hat, der tut sich sicher leichter, seinen Weg zu finden. Und wer erst einmal die Autorin kennenlernen möchte: Der Twitter-Account und die Website von Nadja Hermann sind ein guter Einstieg.

Tori Haschka: Low Carb mit Genuss

Low Carb mit GenussLow Carb mit Genuss – 100 kreative Rezepte mit den richtigen KohlenhydratenAufgepasst, Hard-Core-Anhänger der Low Carb-Ernährung: Im Untertitel stehts ganz richtig: Es handelt sich um Rezepte mit den richtigen Kohlehydraten. Köche und Ernährungsberater reden sich einen Wolf, um zu erklären, das Kohlehydrate per se nichts Schlechtes sind. Wohl deswegen heißt diese Methode ja auch Low-Carb und nicht No-Carb.

Um es kurz zu machen ein Zitet aus dem Buch: „… gute Kohlehydrate… sind vollgepackt mit Ballaststoffen, Mineralstoffen und Aminosäuren.” Auf Youtube findet man auch ein gutes, kurzes Video, in dem Jamie Oliver die Unterschiede erklärt. Wer sich damit noch nicht eingehend beschäftigt hat und kurz entschlossen nach dem Buch greift, macht meiner Meinung nach nichts falsch: In sieben Kategorien werden Rezepte beschrieben, die wenig oder sogenannten „guten” Kohlehydraten auskommen. Anfänger brauchen sich keinen Kopf zu machen um exotische Zutaten: Auch wenn weißes Mehl oder Zucker gemieden werden, sind die Alternativen oft leicht zu bekommen. Kichererbsenmehl zum Beispiel oder Leinsamen, Quinoa und Chia zum Beispiel – wenn es denn überhaupt eine Alternative braucht: Die meisten Rezepte kommen mit der klassischen Aufteilung von Gemüse / Fleisch aus.

Bohnen spielen eine wichtige Rolle, ihnen ist ganz vorne im Buch schon ein Abschnitt gewidmet. Die Rezepte stammen aus aller Welt und decken vom Frühstück bis zum Dessert alles ab. Und sie sind keine Variationen bekannter Klassiker, in denen man die klassischen Kohlehydratträger einfach weggelassen hat. Trotzdem wirken die Rezepte auch für Mitteleuropäer nicht allzu exotisch, so dass die Hemmschwelle für erste Versuche recht gering ist.

Fotografiert ist das Buch eher nüchtern, aber ansprechend. Die Anleitungen sind gut nachvollziehbar, die Zutaten wie schon erwähnt relativ leicht zu bekommen. Nährwert-Angaben zu den einzelnen Gerichten fehlen.

Eine Doppelseite im Buch widmet sich zum Beispiel verschiedenen Pürées als Proteinspender, sozusagen der Ersatz für das weit verbreitete Kartoffel-Pürée. Gerade in der kalten Jahreszeit eine willkommene Hilfestellung für mehr Abwechslung und willkommene Proteinspender.

Paul Hollywood: Besser backen

Paul Hollywood: Besser backenBesser backen Wer kennt Paul Hollywood? In Deutschland sind das wohl sehr wenige. Umso erfreulicher, dass der Thorbecke Verlag das Backbuch des sympathischen Briten hierzulande in deutscher Übersetzung veröffentlicht.

In englischsprachigen Ländern kann man den Briten mit dem markanten Namen durchaus als TV-Star bezeichnen: Vom Frühsommer bis zum Herbst flimmert dort bei BBC One wöchentlich das „Great British Bake Off” über die Bildschirme und zieht Millionen Zuschauer in seinen Bann. Ein „Handshake“ des Juroren für gute Leistungen der Kandidaten gilt quasi als Ritterschlag.

Das Buch, das in Deutschland nur wenig später als in Großbritannien erschienen ist, ist auch für all diejenigen ein Gewinn, die mit dem großen Namen nichts anfangen können: Hier finden sich interessante Rezepte, gemixt mit vielen Klassikern, gut erklärt und schön illustriert. Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Koch- und Backbüchern ist es kein Geschichten-Erzähl-Buch. Es geht zur Sache, es geht ums Backen. Das ist vor allem für jene gut, die mit dem englischen TV-Hintergrund nichts anfangen können und für die Popularität eines Autoren alleine kein Kaufargument ist.

Nach einigen grundlegenden Erklärungen geht es gleich zu den Rezepten. Sie sind eingeteilt in aromatisierte Brote, Sauerteigbrote, Süßgebäck sowie Tartes und Pies. Abgesehen von den Pies ist die Auswahl nicht england-zentriert und dürfte in allen europäischen Ländern gleichermaßen gut ankommen. Die Anleitungen sind gut nachvollziehbar und kompakt. Und an den Arbeitsschritten wird nichts vereinfacht, damit die Rezepte besser „konsumierbar” sind: Bei den Anleitungen für Sauerteigbrote oder beim Blätterteig zum Beispiel werden keine Abstriche gemacht, auch wenn die Zubereitung sehr zeitaufwändig ist.

Die Auswahl von 120 Rezepte, die auf den rund 300 Seiten dargestellt werden, finde ich ziemlich gelungen und alltagsnah: Das gut gestaltete Buch kann man sich quasi als Standardwerk ins Regal stellen.

PS: Das Finale des Great British Bake Off ist übrigens am Mittwoch, den 7. Oktober ab 21 Uhr deutscher Zeit zu sehen, danach noch für einige Wochen in der BBC Mediathek (zu der man aus Deutschland nur erschwert Zugriff hat).

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