Wie gut ist Billig-Bio fragt das ZDF

11. Februar 2013 | Aktuelles, Märkte & Marken | 5 Kommentare

Wie gut ist Billig-Bio

Eigentlich bin ich ja immer froh, wenn ich das Thema Bio in den Medien entdecke. Naja, wenn nicht froh, dann zumindest neugierig. Was man sich bei dieser Fragestellung beim ZDF gedacht hat, erschließt sich mir allerdings nicht: Wie gut ist Billig-Bio? – ZDF.de. Nachdem auch überzeugte Bio-Kenner nun fast schon gebetsmühlenartig wiederholen, dass sich Bio-Anbau in der Regel nicht auf den Geschmack von Lebensmitteln auswirkt, scheint mir das eher etwas reißerisch zu sein. Da wird ein Sternekoch auch nicht weiterhelfen.

Bio ist an sich eben noch kein absolutes Qualitätsmerkmal: Bio kann auch aus fernen Ländern kommen, lange Transportwege verursachen, schlecht gemacht sein und industriell gefertigt. Auch in der Bio-Szene wird man schwerlich noch Anhänger finden, die einfach auf bio schwören, weil es bio ist. Nachhaltig, regional, saisonal sind Aspekte, die genauso wichtig sind. Dass zum Beispiel ein Nudelhersteller auch bio kann – klar. Dass das nicht besser oder anders schmecken muss – auch klar.

Bei manchen Bioprodukten liegt der Sinn einfach darin, dass die Risiken und Nebenwirkungen des Anbaus minimiert werden – auch wenn das Produkt selbst geschmacklich wenig gewinnen sollte. Nach meiner Erfahrung liegen geschmackliche Verbesserungen oft in den Begleiterscheinungen des Bio-Anbaus begründet. Viele Bio-Erzeuger beschäftigen sich ganz neu und viel intensiver mit der Materie, wenn sie auf bio umsteigen. Sie stecken mehr Zeit und Arbeit in ihr Produkt, zum Beispiel auch die Sortenwahl. Und wenn dann zum Beispiel im Obst- und Gemüsebau alte Sorten zum Einsatz kommen, die nicht auf Turbo-Wachstum getrimmt wurden, dann kann sich das auch geschmacklich auswirken. Oder ein geringerer Ertrag kann zum Beispiel im Weinbau auch eine gute Voraussetzung sein für bessere Qualität. Aber das sind eben alles Kann-Bestimmungen.

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5 Kommentare

  1. Dominik

    Und wie war die Sendung? So reisserisch wie erwartet?

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  2. Joachim Ott

    Naja, reisserisch war die Ankündigung schon. Aber der Inhalt war – wie vermutet – nicht neu: Bio ist jetzt auch Massenware, ist dadurch preisgünstig und von den Produktionsbedingungen immer noch besser als konventionelle Ware. Das macht sich vor allem bei artgerechter Tierhaltung bemerkbar.

    Keine echten Vorteile erzielt man bei Inhaltsstoffen (wo sollten da auch neue Inhaltsstoffe herkommen?) und beim Geschmack. Der Sternekoch hat also nix grundlegend Neues verkündet am Ende, zog aber ein leicht positives Fazit.

    Aber wenn auf diese Weise so allmählich die Erkenntnis durchsickert, dass man mit Bio (auch mit Billig-Bio) nicht in erster Linie seinem Luxuskörper was Gutes tut sondern seiner Umwelt und der nächsten Generation, dann ist das ja auch schon was.

    Aber kein Bio-Siegel sollte einen davon abhalten, nachzulesen, was drin ist, wo es herkommt, ob der Preis gerechtgertigt ist.

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  3. Sebastian

    Muss es überhaupt Bio sein, um ein ordentliches/faires/glückliches Produkt zu bekommen? Was ist mit Hofläden, u.ä.?

    Ich bin zwar der Meinung, dass ein Bio-Produkt vermutlich in den meisten Fällen „besser“ als ein konventionelles Produkt sein wird, allerdings kann sich vielleicht auch nicht jeder Landwirt das Bio-Siegel leisten (auch wenn er vielleicht unter ähnlichen Bedingungen produziert…).

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    • Joachim Ott

      Ja, das ist im Prinzip richtig: Es muss nicht unbedingt bio sein, um gut zu sein. Qualität, Geschmack, Nachhaltigkeit, regionale Herkunft – das alles sollte eine Rolle spielen. Und Ausnahmen darf es geben, so dass zum Beispiel nur der Geschmack entscheidet (sonst dürfte ich ja keine Gummibärchen mehr essen). Aber für die Kriterien Labels als Anhaltspunkte zu haben ist nicht verkehrt: Im Prinzip steht ja schon alles im Kleingedruckten auf der Verpackungs-Rückseite. Nur liest das niemand.

      Bei den Landwirten, die sich das Bio-Zeichen ’nicht leisten‘ können bin ich skeptisch: Zu oft gehört, dass jemand ja ‚im Prinzip‘ auch biologisch arbeitet – nur eben keinerlei Nachweis dafür erbringen möchte. Dann soll er eben auf andere Aspekte verweisen, die er für wichtig hält. Ohne Nachweise, alleine für blumige Reden, wird es künftig immer schwerer werden, das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Und das zu Recht.

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  4. Coromandel

    Naja, ich hab auch mal reingeschaltet, hatte aber den Eindruck, dass es eher darum ging, sich an den Erfolg der „Markenchecks“ im Ersten ranzuwanzen. Der konkrete Informationsgewinn blieb eher auf der Strecke, aber ich würd auch sagen: Schon mal schön, wenn Bio in den Medien stattfindet!!

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Über mich

Joachim Ott (joachimott.de) ist der Testschmecker. Journalist, Fotograf und Filmemacher. Geboren in Schwaben, lebt in Baden. Ständig auf der Suche nach guten Lebensmitteln.

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