Good Eggs: bei den Erzeugern der Region kaufen, liefern lassen, abonnieren

140520_goodeggs21

Inzwischen gibt es ja auch bei uns einige Kombinationen von klassischem Handel mit dem Einkauf vor Ort und den Möglichkeiten des Internet. Dieses hier in den USA gefällt mir ganz gut: Brooklyn Market | Good Eggs. Man kann – freilich nur in Ballungsräumen – bei seinen Bauern / Erzeugern einkaufen und bekommt seine Waren zeitnah nach Hause geliefert. Man kann bestimmte Dinge, die man regelmäßig braucht, auch abonnieren. Und man kann wohl bei verschiedenen Verkaufsstellen seine vorbestellten Waren auch direkt abholen, zum Beispiel auf dem Weg von der oder zur Arbeit.

Angegeben ist immer auch der Erzeuger mit seinen Daten, man weiß also genau, woher die Produkte kommen. Dazu kommt, dass die Website wirklich gut umgesetzt, optisch sehr ansprechend und sehr bedienungsfreundlich ist – vom Angebot der Produkte bis zur Auswahl des Liefertermins.

Auf diese Weise kauft man (fast) direkt bei „seinen” Erzeugern, man ist nicht auf ein Abo oder die Lieferung festgelegt und man kann jederzeit variieren bei Produktauswahl und Lieferung oder Abholung. Die Preise werden zwar mit den Wochenmarkt-Angeboten nicht vergleichbar sein. Aber weil man nicht festgelegt ist, kann man diese Alternative immer noch nutzen, sobald man Zeit dafür hat.

Mir kommt das so vor, wie der Wochenmarkt mit Internetanschluss. Das könnte in kleineren Städten und weniger dicht besiedelten Regionen auch ganz gut funktionieren, wenn die Logistikfrage geklärt werden kann. Angeschts der Tatsache, dass Amazon und Lebensmittelketten für etwas Ähnliches wohl schon Pläne in der Schublade haben, wäre das sicher eine regionale Alternative für Erzeuger.

140520_goodeggs31

Lieferservice

Lieferservice nutzen – oder besser planen?

Lieferservice nutzen – oder besser planen?

Erdbeeren

Erdbeeren

Heute morgen war ich auf dem Wochenmarkt. Ein überbordendes Angebot, das die Region am Oberrhein da Anfang Mai bereit hält: Frischer Spinat und Rhabarber, Erdbeeren und Spargel sind die aktuellen Favoriten. Dazwischen gibts so ziemlich alles frisch aus der Region, was man sich auf dem Speisezettel wünscht: Salat und Gemüse, Eier und Fleisch, Brot und Gebäck. Selbst die für einen Wochenmarkt etwas exotischeren Angebote, wie der Stand mit Ziegenfrischkäse, Oliven und mediterranen Gewürzen läuft in unserem Städtchen gut.

Ich versuche morgens, gleich nach meinem Waldlauf, frisch geduscht den Wochenmarktbesuch einzuschieben. Oft klappt es, manchmal eben nicht. Dann muss ich auf die Frische-Abteilungen der Supermärkte ausweichen, von denen einige ihren Namen wirklich verdienen: Obst und Gemüse sehen nicht nur frisch aus, das meiste stammt – ebenso wie Michprodukte und Fleisch- und Wurstwaren ebenfalls aus der Region. Der Favorit aber bleibt der Wochenmarkt, schon alleine wegen des Erlebnisses dieses Einkaufs im Freien. Besonders an Markttagen mit schönem Wetter merke ich, dass das wohl vielen Leuten so geht.

140507_einkauf

Erstaunlicherweise sehe ich beim Einkaufen immer auch viele Berufstätige, die den Marktbesuch vor dem Arbeitsbeginn einschieben. Heute morgen musste ich dann an die Einkaufs- und Lieferservices denken, die in jüngerer Zeit bei uns populär werden. Dieser hier Blue Apron: Fresh Ingredients, Original Recipes, Delivered to You gewann gerade für seine Website den Webby Award. Bei uns in Deutschland findet man auf Anhieb mindestens drei Anbieter über Suchmaschinen.

Allen ist gemeinsam, dass sie am liebsten – wie alle Versender – dahin liefern, wo man die meisten Menschen auf kurzen Wegen erreichen kann: In größere Städte und Ballungsräume. Mehrfach wurden einzelne Anbieter auch schon getestet, man bescheinigt ihnen – wie hier – guten Service und gute Qualität. Voraussetzung bei den Kunden ist wohl, dass man Grundzutaten wie Essig, Öl etc. zuhause vorrätig hat. Und natürlich, dass man kochen kann ;-).

140507_spinat

Dann machen die Lieferservices das, was sie gut können: Sinnvolle gesunde Rezepte, oft mit regionalen und saisonalen Zutaten zusammen stellen, die Produkte einkaufen und verschicken. Damit sich das lohnt, müssen sie das tun, wovor die gestressten Kunden zurückschrecken: rationalisieren, Zeit und Wege sparen, planen.

Auch mir ist unwohl, wenn solche Rationalisierungsmaßnahmen aus Zeitmangel anstehen. Dann wird ein Speiseplan und Einkaufszettel erstellt für die ganze Woche. Das Einkaufen lässt sich auf zwei Termine reduzieren, einer davon kann auch spät abends sein, weil die Supermärkte selbst bei uns in der Provinz bis 21 Uhr geöffnet haben.

Sinnigerweise spare ich damit auch noch Geld: keine Spontankäufe, keine Versuchungen, eine Neuentdeckung auszuprobieren. Die Lust am Kochen bleibt ja, auch wenn der Spass am Einkaufen reduziert wird. Für Notfälle wie spontane Termine, Handwerkerbesuche etc. bleibt dann immer noch ein gefüllter Vorratsschrank und ein Tiefkühlschrank, der verhindert, dass zwei gesunde Mitteleuropäer in ihrer Wohnung verhungern (gerade vor Feiertagen habe ich beim Einkaufen manchmal den Eindruck, dass diese Gefahr vielen Kunden sehr bildhaft vor Augen steht).

Das Konzept taugt freilich auch für entspanntere Zeiten: Was ich bei Allerweltskäufen dann an Zeit einspare, das kann ich für Einkäufe in der Bio-Gärtnerei verjuxen, beim Einkauf auf einem einen anderen Wochenmarkt oder mit der Fahrt zum nächsten Hofladen.

140507_holunder

Wenn es Ihnen so geht wie mir und sie leben in einer ländlicheren Gegend, die bislang noch nicht von Bringdiensten entdeckt wurde, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie dafür zum Ausgleich näher an den ländlichen Erzeugern sind. Dann kann ich Ihnen nur raten, die zeitsparende Einkaufsvariante der Dienstleister (zumindest vorläufig) selbst zu praktizieren:

  • Wochenplanung mit detaillierten Einkaufszettel
  • zwei Einkaufsgänge, davon zumindest einer für richtig frische Sachen: Salat, Gemüse, Fleisch, Wurst
  • Gerichte, wo es auf frische Zutaten ankommt, auf den Einkaufstag legen (zB Spargel)

Und aus eigener Erfahrung möchte ich dabei auch gleich vor zwei Fehlern warnen:

  • Portionen nicht zu großzügig kalkulieren, weil man denkt, die fixe Warenmenge reicht vielleicht nicht aus und ich kann / will das nicht durch einen weiteren Einkaufsgang ausgleichen. Abmessen hilft und es durchaus nicht albern, Nudelportionen, Spargel oder Fleisch wirklich nach Gewicht zu kaufen und zuzubereiten.
  • Haltbarkeitsdaten sind in meinen Augen relativ, aber dennoch nicht unkritisch: Ein Joghurt im Glas hält ungeöffnet auch deutlich länger und kann in die nächste Einkaufswoche hinübergerettet werden. Geriebener Käse und Putenfleisch wird dagegen von mir auch vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums erst einmal kritisch beäugt und berochen: Was nicht appetitlich riecht, das kann meiner Ansicht nach auch nicht gut schmecken.

Schnürsenkel aus Amerika für Amerika

Klingt etwas belanglos: amerikanische Schnürsenkel für Amerikaner. Abgesehen davon, dass dieses Kickstarter-Projekt auf Anhieb doppelt so viel Geld eingesammelt wie benötigt, hat die Sache aber noch einen ernsten Hintergrund – hier ebenso wie in den USA. Viele Menschen scheinen bereit zu sein, mehr Geld dafür auszugeben, wenn sie hochwertige Produkte aus dem eigenen Land kaufen können. Offensichtlich setzen nicht alle auf Billig-Varianten von irgendwoher, nötigenfalls aus Fernost oder aus Ländern, wo man es mit den Produktionsbedingungen nicht so genau nimmt.

Ob das auch aufs Schnäppchenland Deutschland übertragbar ist, kann man wohl nicht sagen. Durch vergleichbare Projekte bei uns würde das Thema aber sicher mehr Bedeutung gewinnen. Außer dem Textilhersteller Trigema fallen deutschen Verbrauchern wahrscheinlich auf Anhieb kaum Firmen ein, die garantiert auch in Deutschland produzieren. Immerhin ist das schwäbische Vorzeige-Unternehmen Beleg dafür, dass es geht, qualitativ gute Ware in Deutschland zu vernünftigen Preisen zu produzieren.

Man muss sich ja gar nicht das Ziel setzen, die Billig-Ramscher, die auch T-Shirts für 3,99 Euro anbieten, vom Markt zu verdrängen. Aber gezielt Alternativen aufzubauen und zu bewerben scheint mir noch in einigen anderen Bereichen erfolgreich möglich zu sein.

Bioranking: erfolgreich in den Netzwerken

Bioranking

Erfolg lässt sich auf viele Weisen messen. Am liebsten sind uns ja immer Umsatz- und Gewinnzahlen. Aber in Zeiten, in denen sich der Wert eines Unternehmens an der Börse auch schon mal nicht am produzierten Gegenwert, dem Umsatz oder dem Gewinn orientiert, sondern an Zukunftsaussichten und Fans, kann man auch andere Maßstäbe heranziehen.

Auf der Website Bioranking werden die Bio-Erzeuger danach bewertet, wie erfolgreich sie in den sozialen Netzwerken sind, bei Facebook, Twitter, Google+. Und wie in jeder guten Top-Liste sind auch die Trends angezeigt, auf- oder absteigend. Aktualisiert wird das jede Woche.

Warum in diesem Umfeld auch die Bio-Anbauverbände vertreten sind ist mir zwar nicht ganz klar, aber Demeter ist ganz vorne mit dabei, gefolgt von Bioland und Naturland. Der ‚große Bruder‘ dieser Liste ist übrigens hier zu finden im Social Media Ranking Deutschland.

Bier brauen – testschmecker tv

Zu Besuch bei Römerbräu in Riegel am Kaiserstuhl. Edgar Schopferer und Stefan Motzkus betreiben hier, auf dem Gelände der ehemaligen Riegeler Brauerei, ihr kleines Unternehmen Römerbräu. Beide sind im Hauptberuf anderweitig engagiert, das Bier brauen entwickelt sich vom Hobby zum Nebenerwerb.

Verkauft wird das Bier in den großen, dunklen 1-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss nur freitags von 18 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung. Beliefert werden aber auch Gastronomen und andere Kunden mit den drei Sorten: Helles, Dunkles, Weizenbier. Alle drei Biere sind naturtrüb und naturgemäß nicht so lange haltbar wie Industriebiere. Alle drei haben einen ganz eigenen, würzigen Geschmack, der aber auch für Menschen, die bisher nur Bier aus dem Supermarkt getrunken haben, nicht weiter gewöhnungsbedürftig ist.

(mehr …)

Bier – in Zahlen

Bier in Zahlen

Ratschläge sind immer eine gute Sache, erst recht, wenn sie von erfahrenen Fachleuten kommen. Und als mir berichtet wurde, dass ein solcher Bier-Fachmann auf die Frage nach der besten Brauerei geantwortet haben soll: „Kaufen Sie das Bier einer kleinen Brauerei in Ihrer Nähe”, da kam mir das seltsam bekannt vor.

Bier ist heute fest in der Hand von Konzernen. Als vor Jahren das Belgische InBev den US-Rivalen Anhaeuser-Busch übernehmen wollte, da konnte man in fundierteren Zeitungsartikeln erfahren, welche Marken wo dazu gehören. Kaum einer der großen Namen scheint noch selbständig, die meisten sind Teil großer Konzerne. Und wer die Schließung regionaler Brauereien bzw. die Verlagerung der Produktionsstätten nach einem Verkauf mitverfolgt, bei dem nährt sich der Verdacht, dass dieser Zweig der Lebensmittelindustrie immer mehr den Markt dominiert.

In den vergangenen Jahren hat sich das scheinbar etwas gelockert: Noblere Biersorten gelangten in den Verkauf (Champagner-Art), kleinere Brauereien machten von sich reden und aus lokalen Feierabend-Brauern wurden schon mal selbständige kleine Unternehmen. Nur ein Trend hat in Deutschland nicht Fuß gefasst: Home-Brewing bleibt weiterhin bevorzugtes Hobby in anderen Ländern, allen voran den USA.

Man konnte recht froh sein um das Aufkommen der kleineren Brauereien, schließlich erweiterte die Bier-Industrie den Markt mit sogenannten Bier-Mix-Getränken. Und was einst ein eher unbedenkliches Getränk mit einfachen Zutaten zu sein schien („Reinheitsgebpot”), das wurde nun eingefärbt und aromatisiert was das Zeug hielt.

Deutschland gilt als das Land der Biertrinker schlechthin, erreicht in der Verbrauchs-Statistik aber in Europa nur den zweiten Platz hinter Tschechien (Wikipedia, Zahlen von 2009). Dafür hat Deutschland unangefochten den Platz eins bei der Produktion – vor den Engländern, Polen und Spanien.

Aber der Pro-Kopf-Verbrauch (zuletzt 108 Liter) und die Produktion (94 mio hl) ging beständig zurück, auch wenn die „Zahl der betriebenen Braustätten” seit 2004 zunahm auf 1.340 (Angaben: Die deutschen Brauer). Wer heute also eine kleinere Brauerei in der Nähe sucht, der müsste relativ leicht fündig werden. Zumindest in Südbaden ist die Auswahl recht gut und neben den oft nur an wenigen Tagen betriebenen Kleinbrauereien finden sich auch oft genug Brau-Gaststätten, wo man beim Brauen zusehen darf und sein Bier auch schon mal im 2-Liter-Krug mit nach Hause nehmen kann.

Was soll nun besser daran sein, bei einer kleinen Brauerei zu kaufen? Zunächst mal kauft man kein Industrieprodukt, das oftmals durch Konzerne vermarktet wird: Bier aus der Nachbarschaft wird meistens auch mit Produkten der Region erzeugt, die Zutaten stammen nicht vom sogenannten globalen Markt. Und die kleinen Brauereien sorgen auch für eine größere Geschmacksvielfalt als die in Millionen Hektolitern erzeugten Einheitsbiere – die freilich qualitativ nicht schlecht sein müssen und auch gut schmecken.

Oft genug ist der Einkauf in der Nachbarschaft auch mit Unannehmlichkeiten verbunden: Ist der Einkauf nur zu bestimmten Zeiten möglich, bedeutet das oft eine weitere Einkaufsfahrt. Auch sind viele dieser Biere naturtrüb und nicht lange haltbar. Und sechs Literflaschen wollen erst einmal im Familien-Kühlschrank untergebracht sein.

Letztlich dürfte das Hauptargument die geschmackliche Vielfalt sein, die man damit unterstützt und erhält. Und die Unterstützung regionaler Anbieter, auch der Zulieferer. Beim Bier erscheint uns das oftmals noch etwas ungewohnt. Beim Wein dagegen hat sich längst durchgesetzt, dass der Einkauf bei diversen Winzern viele Vorteile bietet – gegenüber dem Tetrapak eines Getränkekonzerns, den wir auch viel leichter und billiger im Supermarkt bekommen könnten. Aber wer will das schon?

Mit Bio-Bieren, so ist mein Eindruck, tun sich übrigens alle schwer: die kleinen und die großen Anbieter. Das scheint auch auf längere Sicht eine Domäne von spezialisierten Brauereien, die ihre Produkte über den Bio-Handel vertreiben.